Kräftiger Gegenwind aus Gleiritsch

Der von der Fa. Deglmann Windpark Management GmbH aus Weiden zusammen mit der Stadt Pfreimd geplante Windpark Pamsendorf sorgt für erregte Gemüter und heftige Diskussionen in der Nachbargemeinde Gleiritsch. Direkt an der Gemeindegrenze sollen fünf Windräder mit einer Gesamthöhe von 203,5m errichtet werden.

In einer von Reinhard Kreußel, Dr. Siegfried Burger, Martin Kramer sowie Beate und Hedwig Leipold initiierten Informationsveranstaltung konnten sich die vielen interessierten Bürger im vollbesetzten Gasthaus „Zum Dorfwirt“ einen Überblick über die derzeitige Situation verschaffen. Reinhard Kreußel übernahm die Moderation des Abends und stellte auch von vorneherein klar, dass keiner  grundsätzlich gegen die Windkraft an sich ist, sondern nur diesen von der Stadt Pfreimd ausgewählten Standort als nicht hinnehmbar sieht.

Bürgermeister Hubert Zwack informierte im Vorfeld über den bisherigen Ablauf des Projektes und  der seit einigen Jahren laufenden Planungen der Stadt Pfreimd hierzu. Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung zur Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Pfreimd hat die Gemeinde Gleiritsch bereits Ende Oktober 2012 dargelegt, dass durch das Projekt eine erhebliche optische Beeinträchtigung der Gemeinde Gleiritsch gegeben sein wird. Deshalb hat die Gemeinde Gleiritsch ausdrücklich darum gebeten, frühzeitig über etwaige Projekte informiert zu werden. Im Oktober 2013 – also gut ein Jahr später – erging an alle betroffenen Kommunen eine Einladung zu einem Besprechungstermin bei der Stadt Pfreimd. Der ganze Sachverhalt wurde hierbei grob vorgestellt. Bürgermeister Hubert Zwack meldete wiederum erhebliche Bedenken seitens der Gemeinde Gleiritsch an. Eine Informationsveranstaltung für die Gleiritscher Bürger zum Thema wurde von der Stadt Pfreimd damals abgelehnt. Ergebnis der Besprechung war, dass das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Pfreimd zur Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windkraft weitergeführt wird und in dessen Rahmen sowohl der Bürger als auch die Nachbarkommunen wieder Gelegenheit zur Stellungnahme hat. Im April 2014 wurde nun die Gemeinde Gleiritsch vom Landratsamt um Stellungnahme zur Errichtung von fünf Windkraftanlage der Fa. Deglmann Windpark Management GmbH gebeten. Da nun aber das komplette Projekt vom Investor über das Bundes-Immissions-Schutz (Bimsch-)-Gesetz beantragt wurde, bestehen seitens der Kommune wenige Möglichkeiten zur Gegenwehr. Auch hätten die Bürger geringe Chancen, solche Anträge zu beeinflussen. Die Gemeinde Gleiritsch hat bislang alle ihr gegebenen Möglichkeiten ausgeschöpft. Bürgermeister Zwack betonte, dass die Gemeinde Gleiritsch von der Stadt Pfreimd schlicht und einfach übergangen wurde. Durch diesen Windpark würden sämtliche Anstrengungen und Aktivitäten, das Dorf schöner und einladender zu gestalten, zerstört. 36.000 m² Wald sollen für dieses Projekt gerodet werden.

Reinhard Kreußel, Förster und Hobbyornithologe, berichtete in seinen Ausführungen, dass er zum ersten Mal im Herbst 2012 von Waldbesitzern über den Windpark Pamsendorf Informationen erhalten hatte und sich seitdem sehr intensiv mit diesem sensiblen Thema auseinandersetzte. Auch er kritisierte die Stadt Pfreimd, da immer von einer Antragstellung über die Flächennutzungsplanänderung die Rede war. Seine Bedenken richten sich vor allem auf das Vorkommen gefährdeten Vogelarten im vorgesehenen Gebiet. Durch Windräder würden diese Tiere ihres Lebensraumes beraubt und wären zudem erheblichen Gefahren ausgesetzt.

Martin Kramer wies darauf hin, dass Hausbesitzer eine deutliche Wertminderung ihrer Immobilien zu befürchten haben, da die Lebensqualität in den betroffenen Gebieten durch Schattenschlag, Rauschen, Eiswurf und Blinklichter erheblich beeinträchtigt ist. Bekannte, die in der Nähe von Windrädern wohnen, könnten von diesen Problemen und Nachteilen berichten.

Auch Dr. Siegfried Burger kritisierte die Stadt Pfreimd in ihrem Vorgehen und rief zum Widerstand auf. Je mehr Gegner dieses Projekt bekommt, desto größer ist die Chance, etwas zu bewirken, so sein Tenor. In unserer kleinräumigen, wunderschönen oberpfälzer Landschaft seien diese Windräder eine optische Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung. Gleiritsch solle nicht der Mülleimer für andere sein.

B.Eng. Benedikt Bräutigam stellte im Anschluss objektiv betrachtete Rechenbeispiele an, die sich auf die staatlich veröffentlichten Windkarten des Geoportals Bayern und die derzeit effizientesten Siemens Windkraftanlagen bezogen und stellte dabei die Effizienz der Windräder an diesem Standort mit einem Wirkungsgrad von etwa 20% vom Maximalwert aus gesehen wirtschaftlich wie ökonomisch gesehen ernsthaft in Frage. Ein Problem seien die geplanten langen Energiewege an die Anschlussgebiete Schwarzenfeld bzw. Oberviechtach, die das Projekt mit nur fünf Windrädern als unrentabel gestalten. Ein Hinweis auf die erweiterte Erschließung des gesamten Altlandkreises seien die unzähligen Windmessungen in den Nachbargemeinden.
Des Weiteren wurde dargestellt, dass die benötigte Grundlast bei der Abschaltung von Isar 2 durch Windkraft und Solarstrom nicht mit derzeitigen Mitteln möglich sei. Es müsse allein um dieses ein-zelne Atomkraftwerk abzuschalten, über 4000 200m hohe Windräder mit äquivalenter Leistung wie in Pamsendorf betrieben werden, die kontinuierlich Strom liefern müssten.

Reinhard Kreußel freute sich, mit Siegfried Rossmann aus Oberviechtach einen im Kampf gegen ungünstige Windrad-Standorte erfahrenen Mann begrüßen zu können. Rossmann berichtete, dass ein breites Auftreten in der Öffentlichkeit wichtig ist, um auch andere auf diese Problematik hinzuweisen. Wichtig sei es, Aufmerksamkeit zu erregen. Auch sollte sich jeder bewusst werden, dass ein Windkraftgegner nicht automatisch ein Atomkraftbefürworter ist.

Die Erforderlichkeit des Windkraftprojektes und die damit verbundenen Eingriffe in Natur und Landschaft seien äußerst fragwürdig, da in unmittelbarer Nachbarschaft ein jahrzehntelang genutztes Wasserkraftwerk (Pumpspeicherkraftwerk) in seinen Kapazitäten nicht mehr voll ausgeschöpft wird.

Mit dem Hinweis, dass ab jetzt jeden Freitag ab 20.00 Uhr im Gasthaus „Zum Dorfwirt“ ein „Windrad-Stammtisch“ für alle Interessierten stattfindet, beendete Kreußel die Veranstaltung und gab den Anwesenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen, was dann in eine angeregte Diskussion überging.

Text und Foto: Susanne Gschrey, Journalistin